Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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155 gehört's, hat's geerbt, und jetzt noch dazu erobert. Volksliebe! Aprillenwetter! Wäre ihre Liebe ſo ſtark geweſen, ſo hätte ſie nicht dem Bunde gehuldigt.

Der Kanzler hat Recht! rief Ulerich, aus ſeinen Gedanken erwachend.Du magſt es gut meinen, Lich⸗ tenſtein. Aber er hat diesmal Recht. Meine Langmuth hat mich zum Land hinaus getrieben; jetzt bin ich wie⸗ der da, und ſie ſollen fühlen, daß ich Herr bin. Die Feder her, Kanzler, ich ſag', ſo will ich's; ſo wollen wir uns huldigen laſſen!

O Herr, thut nichts in der erſten Hitze! Wartet, bis Euer Blut ſich abkühlt. Rufet die Landſchaft zuſammen; machet Änderungen nach Eurem Sinne, unr jetzt nicht, nur nicht, ſo lange der Bund noch Land beſitzt in Würtemberg; es könnte Euch ſchaden bei den übrigen. Geſtattet nur noch eine kurze Friſt.

So? unterbrach ihn der Kanzler.Daß man dann alsgemach wieder in das alte Weſen hinein kommt? Gebt acht, wenn die Landſchaft erſt beiſammen iſt, wenn ſie ſich erſt zuſammen berathen, meinet Ihr, da werden ſie ſo gutwillig nachgeben? Hi, hi! Da wird man Gewalt anwenden müſſen, und das macht erſt verhaßt. Schmiedet das Eiſen, ſo lange es warm iſt. Oder gelüſtet Euer Durchlaucht, wieder ganz gehor⸗ ſamlich unter das alte Joch zu ſtehen, und den Karren zu ziehen?

Der Herzog antwortete nicht. Er riß mit einer haſtigen Bewegung Feder und Pergament dem Kanzler aus der Hand, warf einen ſchnellen, durchdringenden Blick auf ihn und den Ritter, und ehe noch dieſer es