fürchte, er iſt nicht in den beſten Händen. Der Kanz⸗ ler Ambroſius Volland—“ dieſer einzige Name reichte hin, in dem Ritter von Lichtenſtein große Beſorgniſſe aufzuregen. Er kannte dieſen Volland, er wußte, daß er zwar gelehrt, in allen Regierungsgeſchäften überaus wohl erfahren, zu jedem, auch dem ſchwerſten Dienſt bereit, aber dabei ein Mann ſei, der zum wenigſten ſchon öfter ein gewagtes, wo nicht falſches Spiel geſpielt habe.
„Wenn der Herzog dieſem ſein Vertrauen ſchenkt, wenn er nur ſeine Rathſchläge befolgt, dann ſei Gott gnädig. Dem Ambroſius iſt das Land ein Stück Leder, das man nach Willkür handhaben kann, er wird es zurechtſchneiden wollen zu einem Koller für den Herzog, und die Abſchnipfel für ſich behalten. Aber, wie Frau Roſel zu ſagen pflegt: Zerſchneiden kann jeder Narr, aber wie zuſammennähen?“ So ſprach der alte Herr von Lichtenſtein zu ſich, als er durch die Galerien ging; er ſtreichelte unmuthig ſeinen langen, weißen Buart, und ſeine Augen glühten von Eifer für die gute Sache Würtembergs.
Er wurde ſogleich vorgelaſſen und traf den Herzog in großer Berathung mit Ambroſius. Der Letztere hatte eine ungeheure Schwanenfeder in der einen Hand, in der andern hielt er ein Pergament, das mit ſchwar⸗ zer, rother und blauer Dinte in vielen zierlichen Schnörklein beſchrieben war. Der Herzog ſpielte mit einem großen Sigill, das er in der Hand hielt; er ſchien mit ſich zu kämpfen, er ſah bald ſeinen Kanzler durchdringend an, bald heftete ſich ſein Blick wieder auf das Sigill. Sie waren Beide ſo vertieft, daß


