Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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hat, hinwegführen und den Schritten des Ritters von Lichtenſtein folgen. Er hatte ſeine Tochter unter der Pflege Georgs, ſeinen Neffen unter der kunſtreichen Hand der Frau Roſalie gelaſſen, und ſchritt nun den Gemächern des Herzogs zu. Seine Züge, welchen Alter und Erfahrung einen ſinnenden Ernſt eingedrückt hatten, erſchienen in dieſer Stunde noch ernſter beinahe traurig. Dieſer Mann hatte von ſeinen Vä⸗ tern die Liebe zum Hauſe Würtemberg geerbt, Ge⸗ wohnheit und Neigung hatten ihn an die Regenten gefeſſelt, die während ſeines langen Lebens über Wür⸗ temberg geherrſcht hatten, und das Unglück und die Verleumdung, welche auf Ulerich unabläſſig herein⸗ ſtürmten, hatten das Herz des alten Herrn nicht von dieſem Herzog losreißen können, ſie feſſelten ihn nur mit noch ſtärkeren Banden. Mit der Freude eines Bräutigams, der zur Hochzeit zieht, mit der Kraft eines Jünglings hatte er den weiten und beſchwerlichen Weg von ſeinem Schloß nach Stuttgart zurückgelegt, als man ihm gemeldet hatte, daß der Herzog Leonberg erobert habe und auf Stuttgart zuziehe. Keinen Au⸗ genblick zweifelte er an dem Siege des Herzogs, und ſo traf es ſich, daß er ſchon am andern Morgen der neuen Herrſchaft Ulerichs nach Stuttgart kam.

Nicht ſo fröhlicher Art waren die Nachrichten, die ihm Georg mittheilte, als er mit ihm und Marien die

Treppe heraufſtieg.Der Herzog, hatte ihm Jener

zugeflüſtert,der Herzog iſt nicht ſo, wie er ſollte; Gott weiß, was er mit ſeinem Lande machen will; er hat unterwegs ſonderbare Reden fallen laſſen, und ich