Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Mit gnädiger Erlaubniß, ſagte Frau Roſel und verbeugte ſich dreimal vor dem Rathsſchreiber,wenn Ihr meine Hülfe annehmen wollet, ſo will ich den Mantel flicken, daß es eine Luſt iſt. Da geht's wie im Sprüchwort: Hat der Junge den Rock zerriſſen, hat der Alu' ihn flicken müſſen.

Herrn Dieterich war dieſe Hülfe ſehr angenehm. Er bequemte ſich, zu der Frau Roſel ans Fenſter zu ſitzen, um ſich ſeine Gewänder zurecht richten zu laſſen. Sie zog aus ihrer großen Ledertaſche Zwirn von allen Farben, und machte ſich an die Wunden, die ihm die Würtemberger geſchlagen hatten. Sie unterhielt ihn dabei mit ergützlichen Reden von der Haushaltung und der Zubereitung verſchiedener Speiſen, die in Frau Sabina's Kochregiſter nicht vorgekommen waren. Ent⸗ fernt von dieſem Paar, um die ganze Breite des Zim⸗ mers, ſaßen Georg und Marie im traulichen Flüſtern der Liebe. Weder der gelehrte Johannes Thetingerus, noch ein Johannes Bezius, weder Gabelkofer noch Cruſius, ſo wichtige Kunde wir ihnen über dieſe Zei⸗ ten verdanken, melden uns, was dieſe Beiden an jenem Morgen zuſammen flüſterten. Nur ſo viel können wir berichten, daß eine ſüße Ruhe auf Mariens Zügen lag, daß ſte die ſchonen Augen bald freudig aufſchlug, bald verſchämt wieder ſenkte, daß ſie bald lächelte, bald tief erröthete und manche Frage des Geliebten mit Küſſen zurückdrängte.

Der Leſer wird es uns Dank wiſſen, wenn wir ihn von einer Scene, die ſo wenig hiſtoriſchen Grund und Boden, alſo nach neueren Begriffen auch keinen Werth W. Hauffs Werke. XVII. 3 7