Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſollte er es zuſchreiben, daß Mariens Züge einen ganz anderen Ausdruck gewonnen hatten? Wohl lag noch eine hohe Würde in ihrer Haltung, auf ihrer Stirne, aber in ihren Augen glühte eine ſtille Freude, ihr Mund lächelte und ſcherzte, auf ihren Wangen waren die ſchönſten Roſen aufgeblüht. Sprachlos hatte Dieterich von Kraft dieſe Erſcheinung angeſtarrt, und jetzt erſt wurde auch er von dem alten Ritter bemerkt.Seh' ich recht, rief dieſer,Dieterich Kraft, mein Neffe! Was führt denn Dich nach Stuttgart, kommſt Du etwa zur Hochzeit meiner Tochter mit Georg von Sturmfeder? Aber wie ſiehſt Du aus? Was fehlt Dir doch? Du biſt ſo bleich und elend, und Deine Kleider hängen Dir in Fetzen vom Leibe??

Der Rathsſchreiber ſah herab auf das roſenfarbene Mäntelein und erröthete.Weiß Gott, rief er,ich kann mich vor keinem ehrlichen Menſchen ſehen laſſen! Dieſe verdammten Würtemberger, dieſe Weingärtner und Schuſtersjungen haben mich ſo zerfetzt. Aber wahr⸗ haftig! der ganze durchlauchtigte Bund iſt in meiner Perſon angegriffen und beleidigt!

Ihr dürft froh ſein, Vetter! daß Ihr ſo davon gekommen ſeid, ſagte Georg, indem er die Angekom⸗ menen in ſein Gemach einführte.Bedenket, Herr Vater, geſtern Nacht, als wir vor den Thoren ſtanden, hielt er Reden an die Bürger, um ſie aufzuwiegeln gegen uns. Da hat ihn heute früh der Kanzler wollen köpfen laſſen. Mit großer Mühe bat ich ihn los, und jetzt klagt er die Würtemberger wegen ſeines zerfetzten Mänteleins an.