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kam ſein Oheim, der alte Herr von Lichtenſtein, die Treppe herauf. An der rechten Hand führte er Georg von Sturmfeder, an der linken— Bäschen Marie. Welche Veränderung war mit jenen holden Zügen vor⸗ gegangen, die ſich ſo tief in ſein Herz, in ſein Gedächt⸗ niß geprägt hatten.
In Ulm war ſie ihm zum erſtenmal wie ein Bote aus einem unbekannten Lande erſchienen, ſo erhaben war der Blick ihrer ſchönen blauen Augen, ſo majeſtä⸗ tiſch ihre Stirne, ſo ſinnig jenes kleine Fleckchen zwi⸗ ſchen den ſchönen, dunkeln Bogen der Brauen. Er hatte oft und viel darüber nachgedacht, worin denn der Zauber beſtehe, der ihn ſo unwiderſtehlich feßle? Die Ulmer Mädchen hatten friſchere Wangen, lebhaftere Augen, ein ſchalkhafteres Lächeln, und den fröhlichen, friſchen Glanz einer heiteren Jugend. Und dennoch war Marie unter ihnen geſtanden, ſtill und groß wie eine Königin. War es vielleicht der dunkle Schleier ihrer Wimpern, der ſich oft mit unnennbarem Reiz über das Auge herabſenkte, um das Geheimniß einer ſtillen Thräne zu verhüllen? Waren es die feinen, geſchloſſe⸗ nen Lippen, von ſußer Wehmuth umlagert? War es der zarte Wechſel der Farben auf ihren Zügen, die bald nur gebietende Hoheit auszuſtrahlen, bald das reizende Geheimniß leidender Liebe zu verrathen ſchienen 2 Ber⸗ tha'’s Heiterkeit, Bertha's fröhliche, neckende Gunſt hatte dieſes ernſtere Bild längſt aus ſeinem Herzen ver⸗ drängt, und doch fühlte der arme Herr Dieterich die alte Wunde wieder bluten, als das Fräulein von Lich⸗ tenſtein ſich nahte. Aber welcher unbekannten Macht
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