15
das gütige Geheiß ſeines Fürſten und ſprach dann mit friſcher Stimme weiter:
„Im Keller hörte ich viele Stimmen, und es war mir, als zanke man ſich. Ich ging den Stimmen nach und ſah eine ganze Schaar der Beſatzung vor dem großen Faß ſitzen und trinken. Es waren Einige von Stadions Partei und Hewen und mehre der Seinigen. Sie hatten Lampen aufgeſtellt und große Humpen vor ſich; es ſah ſchauerlich aus, faſt wie das Vehmgericht. Ich barg mich in ihrer Nähe hinter ein Faß und hörte, was ſie ſprachen. Georg von Hewen ſprach mit rüh⸗ renden Worten zu ihnen und ſtellte ihnen ihre Untreue vor: er ſagte, wie ſie ja gar nicht nöthig haben, ſich zu ergeben, wie ſie auf lange mit Vorräthen verſehen ſeien, wie Euer Durchlaucht ein Heer ſammeln wer⸗ den, Tübingen zu entſetzen, wie eher die Belagerer in Noth kommen als ſie.“
„Hal wackerer Hewen! und was gaben ſie zur Antwort?“
„Sie lachten und tranken.„„Da hat es gute Weile, bis der ein Heer ſammelt! Wo das Geld her⸗ nehmen und nicht ſtehlen?““ ſagte Einer. Hewen aber fuhr fort und ſagte:„„Wenn es auch nicht ſo bald möglich ſei, ſo müſſen ſie ſich doch halten bis auf den letzten Mann, wie ſie Euch zugeſchworen, ſonſt handeln ſie als Verräther an ihrem Herrn. Da lachten ſie wieder, und tranken und ſagten:„Wer will auftreten und uns Verräther nennen?““ Da rief ich hinter meinem Faß hervor:„„Ich, Ihr Buben, Ihr ſeid Verräther am Herzog und am Land!““ Alle


