16
waren erſchrocken, der Stadion ließ ſeinen Becher fal⸗ len, ich aber trat hervor, nahm meine Kappe ab und den falſchen Bart, ſtellte mich hin und zog Euren Brief aus dem Wamms.„„Hier iſt ein Brief von Eurem Herzog,““ ſagte ich;„„er will, Ihr ſollet Euch nicht übergeben, ſondern zu ihm halten; er ſelbſt will kommen und mit Euch ſiegen oder in dieſen Mauern ſterben.““ 4
„O Tübingen!“ ſagte der Herzog mit Seufzen, „wie thöricht war ich, daß ich dich verließ! Zwei Finger meiner Linken gäbe ich um Dich; was ſage ich, zwei Finger? Die Rechte ließ ich mir abhauen, könnte ich dich damit erkaufen, und mit der Linken wollte ich dem Bund den Weg zeigen! Und gaben ſie nichts, gar nichts auf meine Worte?“
„Die Falſchen ſahen mich finſter an, ſchienen nicht recht zu wiſſen, was ſie thun ſollten. Hewen aber er⸗ mahnte ſie nochmals. Da ſagte Lurwig von Stadion, ich komme ſchon zu ſpät. Achtundzwanzig der Ritter⸗ ſchaft wollen ſich der Fehde mit dem Bunde begeben und den Herzog ſolche allein ausmachen laſſen. Komme er wieder mit Heeresmacht ins Land, ſo wollen ſie getreulich zu ihm ſtehen, aber aufs Ungewiſſe wollen ſie den Krieg nicht fortfübren, denn ihre Burgen und Güter werden ſo lange beſchädigt und gebrandſchatzt, bis ſie nicht mehr gegen den Bund dienen. Ich ver⸗ langte nun, ſie ſollten mich hinaufführen in den Ritter⸗ ſaal, ich wolle verſuchen, ob nicht Männer da ſeien, das Schloß zu halten, ich zählte auf, wen ich noch für treu halte, die Nippenburg, die Gültlingen, die Ow,


