Teil eines Werkes 
13. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Noth, getäuſchte Erwartung und Geiz trieben ihn zu⸗

letzt zu einer Art Wahnſinn, ſo daß er wirklich beſchloß,

das zu thun, was ihm das Männchen angerathen, ob⸗ gleich er nach der alten Gage wohl wußte, daß er ſich

vamit den Mächten der Finſterniß übergab.

Alle Gegenvorſtellungen Kaſpars waren vergebens. Falke ward nur um ſo heftiger, je mehr Jener ihn an⸗ ſlehte, von ſeinem verzweifelten Vorhaben abzuſtehen.

Und der gute ſchwache Menſch willigte endlich ein, ihn

zu begleiten und ihm ſeinen Plan ausführen zu helfen. Beider Herzen zogen ſich ſchmerzhaft zuſammen, als ſie einen Strick um die Hörner einer ſchönen Kuh, ihr letztes Eigenthum, legten, die ſie vom Kalbe aufgezogen, und die ſie ſich immer zu verkaufen geweigert hatten,

weil ſie's nicht übers Herz bringen konnten, ſie in

fremden Händen zu ſehen. Aber der böſe Geiſt, wel⸗ cher ſich Wilms bemeiſterte, erſtickte jetzt alle beſſeren

Gefühle in ihm, und Kaſpar wußte ihm in Nichts zu widerſtehen. Es war im September, und die langen

Nächte des ſchottländiſchen Winters hatten angefangen.

Die Nachtwolken wälzten ſich ſchwer vor dem rauhen

Abendwinde und thürmten ſich wie Eisberge im Clyde⸗ ſtrom, tiefer Schatten füllte die Schluchten zwiſchen dem Gebirge und den feuchten Torfſümpfen, und die trüben Betten der Ströme blickten ſchwarz und furcht⸗ bar wie Höllenſchlünde. Falke ging voran und Strumpf folgte, ſchaudernd über ſeine eigene Kühnheit, und Thränen füllten ſein ſchweres Auge, ſo oft er das arme Thier anſah, welches ſo vertrauensvoll und bewußtlos ſeinem baldigen Tode entgegenging, der ihm von der