Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

*

81

an mit einer Fee in Berührung geſtanden habe. Ich habe ſie deßwegen ausgelacht, und doch muß ich ge⸗ ſtehen, Said, daß bei Deiner Geburt einige Dinge vor⸗ fielen, die mich ſelbſt in Erſtaunen ſetzten. Es hatte den ganzen Tag geregnet und gedonnert, und der Himmel war ſo ſchwarz, daß man Nichts leſen konnte ohne Licht. Aber um vier Uhr Nachmittags ſagte man mir an, es ſei mir ein Knäblein geboren. Ich eilte nach den Gemächern Deiner Mutter um meinen Erſtgebor⸗ nen zu ſehen und zu ſegnen, aber alle ihre Zofen ſtan⸗ den vor der Thüre, und auf meine Fragen antworteten ſie, daß jetzt Niemand in das Zimmer treten dürfe, Zemira, Deine Mutter habe Alle hinausgehen heißen, weil ſie allein ſein wolle. Ich pochte an die Thüre, aber umſonſt, ſie blieb verſchloſſen.

„Während ich ſo halb unwillig unter den Zofen vor der Thüre ſtand, klärte ſich der Himmel ſo plötzlich auf, wie ich es nie geſehen hatte, und das Wunder⸗ barſte war, daß nur uüͤber unſerer lieben Stadt Balſora eine reine, blaue Himmelswölbung erſchien, ringsum aber lagen die Wolken ſchwarz aufgerollt, und Blitze zuckten und ſchlängelten ſich in dieſem Umkreis. Wäh⸗ rend ich noch dieſes Schauſpiel neugierig betrachtete, flog die Thüre meiner Gattin auf; ich aber ließ die Mägde noch außen harren und trat allein in das Ge⸗ mach, Deine Mutter zu fragen, warum ſie ſich einge⸗ ſchloſſen habe. Als ich eintrat, quoll mir ein ſo be⸗ täubender Geruch von Roſen, Nelken und Hyaeinthen entgegen, daß ich beinahe verwirrt wurde. Deine Mutter brachte mir Dich dar und deutete zugleich auf ein ſil⸗

W. Hauffs Werke. XII. 6