Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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er meinetwegen bald folgen, dann würden wir Hirſch⸗ berg erben und Alles, und Euch, Frau Mutter, woll⸗ ten wir den Schmuck um hilligen Preis ablaſſen.

So, Du Range! eiferte die Mutter,abkaufen ſoll ich Euch den Schmuck? Iſt das der Dank dafür, daß ich Euch Zollern verſchafft habe? Kleiner Schalk⸗ nicht wahr, ich ſoll den Schmuck umſonſt haben?

Umſonſt iſt der Tod, Frau Mutter! erwiderte der Sohn lachend,und wenn es wahr iſt, daß der Schmuck ſo viel werth iſt, als manches Schloß, ſo werden wir wohl nicht die Thoren ſein, ihn Euch um den Hals zu hängen. Sobald Kuno die Augen ſchließt, reiten wir hinunter, theilen ab, und meinen Part am Schmuck verkaufe ich. Gebt Ihr dann mehr als der Jude, Frau Mutter, ſo ſollt Ihr ihn haben.

Sie waren unter dieſem Geſpräch bis unter das Schloßthor gekommen, und mit Mühe zwang ſich die Frau Gräfin, ihren Grimm über den Schmuck zu un⸗ terdrücken, denn ſo eben ritt Graf Kuno über die Zugbrücke. Als er ſeine Stiefmutter und ſeine Brüder anſichtig wurde, hielt er ſein Pferd an, ſtieg ab und grüßte ſie höflich. Denn, obgleich ſie ihm viel Leids angethan, bedachte er doch, daß es ſeine Brüder ſeien, und daß dieſe böſe Frau ſein Vater geliebt hatte. 1 Ei, das iſt ja ſchön, daß der Herr Sohn uns auch beſucht, ſagte die Frau Gräfin mit ſüßer Stimme und huldreichem Lächeln.Wie geht es denn auf Hirſchberg? Kann man ſich dort eingewöhnen? Und gar eine Sänfte hat man ſich angeſchafft? Ei, und