Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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und nahe dabei ſeine einzige alte Freundin, Frau Feldheimerin, wohnte. Das Schloß Hirſchberg war zwar ein ſchönes, ſtattliches Gebäude, aber es war ihm doch zu einſam und öde, und er wäre bald krank vor Sehnſucht nach Hohenzollern geworden.

Die Gräfin und die Zwillingsbrüder, die jetzt acht⸗ zehn Jahre alt waren, ſaßen eines Abends auf dem Söller und ſchauten den Schloßberg hinab; da ge⸗ wahrten ſie einen ſtattlichen Ritter, der zu Pferde heraufritt und dem eine prachtvolle Sänfte, von zwei Maulthieren getragen, und mehre Knechte folgten. Sie riethen lange hin und her, wer es wohl ſein möchte, da rief endlich der kleine Schalk:Ei, das iſt Niemand anders als unſer Herr Bruder von Hirſch⸗ berg.

Der dumme Kuno? ſprach die Frau Gräfin verwundert.Ei, der wird uns die Ehre anthun, uns zu ſich einzuladen, und die ſchöne Sänfte hat er für mich mitgebracht, um mich abzuholen nach Hirſchberg; nein, ſo viel Güte und Lebensart hätte ich meinem

Herrn Sohn, dem dummen Kuno, nicht zugetraut;

eine Höflichkeit iſt der andern werth, laſſet uns hinab⸗ ſteigen an das Schloßthor, ihn zu empfangen; macht auch freundliche Geſichter, vielleicht ſchenkt er uns in Hirſchberg etwas, Dir ein Pferd, und Dir einen Har⸗ niſch, und den Schmuck ſeiner Mutter hätte ich ſchon

lang gerne gehabt.

Geſchenkt mag ich nichts von dem dummen Kuno, antwortete Wolf,und ein gutes Geſicht mach' ich ihm auch nicht. Aber unſerem ſeligen Herrn Vater könnte