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nicht wahr, was man ihr nachſagte, daß ſie eine Wet⸗ terpfanne habe, und wenn ſie dieſe über das Feuer hänge, komme ein ſchreckliches Donnerwetter. Sie lehrte den kleinen Grafen mancherlei, was ihm nützlich war, zum Beiſpiel allerlei Mittel für kranke Pferde, einen Trank gegen die Hundswuth, eine Lockſpeiſe für Fiſche und viele andere nützliche Sachen. Die Frau Feldheimerin war auch bald ſeine einzige Geſellſchaft, denn ſeine Amme ſtarb, und ſeine Stiefmutter kümmerte ſich nicht um ihn.
Als ſeine Brüder nach und nach heranwuchſen, hatte Kuno ein noch traurigeres Leben als zuvor; ſie hatten das Glück, beim erſten Ritt nicht vom Pferd zu ſtürzen, und das böſe Wetter von Zollern hielt ſie daher für ganz vernünftige und taugliche Jungen, liebte ſie aus⸗ ſchließlich, ritt alle Tag mit ihnen aus und lehrte ſte Alles, was er ſelbſt verſtand. Da lernten ſie aber nicht viel Gutes; Leſen und Schreiben konnte er ſelbſt nicht, und ſeine beiden trefflichen Söhne ſollten ſich auch nicht die Zeit damit verderben; aber ſchon in ihrem zehnten Jahr konnten ſie ſo gräßlich fluchen als ihr Vater, fingen mit Jedem Händel an, vertrugen ſich unter ſich ſelbſt ſo ſchlecht wie ein Hund und Kater, und nur wenn ſie gegen Kuno einen Streich verüben wollten, verbanden ſie ſich und wurden Freunde.
Ihrer Mutter machte dies nicht viel Kummer, denn ſie hielt es für geſund und kräftig, wenn ſich die Jungen balgten: aber dem alten Grafen ſagte es eines Tags ein Diener, und er antwortete zwar:„Weiß ſchon, dummes Zeug;“ nahm ſich aber dennoch vor, für die
W. Hauffs Werke. XII. 2


