Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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gegen das unſchuldige Kind kränkte ſie tief: ſie er⸗ krankte mehremal aus Schrecken, wenn der finſtere Graf den Kleinen wegen irgend eines geringen Fehlers hart abgeſtraft hatte, und ſtarb endlich in ihren beſten Jahren, von ihrem Geſinde und der ganzen Umgegend, am ſchmerzlichſten aber von ihrem Sohn beweint.

Von jetzt an wandte ſich der Sinn des Grafen nur noch mehr von dem Kleinen ab: er gab ihn ſeiner Amme und dem Hauskaplan zur Erziehung und ſah nicht viel nach ihm um, beſonders da er bald darauf wieder ein reiches Fräulein heirathete, die ihm nach Jahresfriſt Zwillinge, zwei junge Gräflein, ſchenkte.

Kuno's liebſter Spaziergang war zu dem alten Weiblein, die ihm einſt das Leben gerettet hatte. Sie erzählte ihm immer Vieles von ſeiner verſtorbenen Mutter, und wie viel Gutes dieſe an ihr gethan habe. Die Knechte und Mägde warnten ihn oft, er ſolle nicht ſo viel zu der Frau Feldheimerin, ſo hieß die Alte, gehen, weil ſie nichts mehr und nichts weniger als eine Hexe ſei; aber der Kleine fürchtete ſich nicht, denn der Schloßkaplan hatte ihn gelehrt, daß es keine Hexen gebe, und daß die Sage, daß gewiſſe Fkauen zaubern können und auf der Ofengabel durch die Luft und auf den Brocken reiten, erlogen ſei. Zwar ſah er bei der Frau Feldheimerin allerlei Dinge, die er nicht begreifen konnte; des Kunſtſtückchens mit den drei Pfennigen, die ſie ſeinem Vater ſo geſchickt in den Beutel gewor⸗ fen, erinnerte er ſich noch ganz wohl, auch konnte ſie allerhand künſtliche Salben und Tränklein bereiten, womit ſie Menſchen und Vieh heilte; aber das war