2—
15
werfen, daß alle drei ganz gerade in den kleinen Leder⸗ beutel fielen, den der Graf noch in der Hand hielt.
Der Graf wußte einige Minuten vor Staunen über dieſe wunderbare Geſchicklichkeit kein Wort hervorzu⸗ bringen, endlich löste ſich aber ſein Staunen in Wuth auf. Er faßte ſeine Büchſe, ſpannte den Hahn und zielte dann auf die Alte. Dieſe herzte und küßte ganz ruhig den kleinen Grafen, indem ſie ihn ſo vor ſich hin hielt, daß ihn die Kugel zuerſt hätte treffen müſſen. „Biſt ein guter frommer Junge,“ ſprach ſie,„bleibe nur ſo und es wird Dir nicht fehlen.“ Dann ließ ſie ihn los, dräute dem Grafen mit dem Finger:„Zollern⸗ Zollern, den Hirſchgulden bleibt Ihr mir noch ſchul⸗ dig,“ rief ſie und ſchlich unbekümmert um die Schimpf⸗ worte des Grafen, an einem Buchsbaumſtäbchen in den Wald. Konrad, der Knappe, aber ſtieg zitternd von ſeinem Roß, hob das Herrlein in den Sattel, ſchwang ſich hinter ihn auf und ritt ſeinem Gebieter nach, den Schloßberg hinauf.
Es war dies das erſte⸗ und das letztemal geweſen, daß das böſe Wetter von Zollern ſein Söhnlein mit⸗ nahm zum Spazierenreiten; denn er hielt ihn, weil er geweint und geſchrieen, als die Pferde im Trab gingen, für einen weichlichen Jungen, aus dem nicht viel Gutes zu machen ſei, ſah ihn nur mit Unluſt an, und ſo oft der Knabe, der ſeinen Vater herzlich liebte, ſchmeichelnd und freundlich zu ſeinen Knieen kam, winkte er ihm fortzugehen und rief:„Weiß ſchon! Dummes Zeug!“ Frau Hedwig hatte alle böſen Launen ihres Gemahls gerne getragen, aber dieſes unfreundliche Benehmen


