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unweit der Straße unter einem Baum und wiegte den Kleinen auf ihren Knieen.
„Wie kömmſt Du zu dem Knaben, alte Hexe?“ ſchrie der Graf in großem Zorn;„ſogleich bringe ihn heran zu mir.“
„Nicht ſo raſch, nicht ſo raſch, Euer Gnaden!“ lachte die alte, häßliche Frau,„könntet ſonſt auch ein Unglück nehmen auf Eurem ſtolzen Roß! Wie ich zu dem Junkerlein kam, fraget Ihr? Nun, ſein Pferd ging durch, und er hing nur noch mit einem Füßchen angebunden und das Haar ſtreifte faſt am Boden, da habe ich ihn aufgefangen in meiner Schürze.“ 3
„Weiß ſchon!“ rief der Herr von Zollern unmu⸗ thig,„gib ihn jetzt her; ich kann nicht wohl abſteigen, das Roß iſt wild und könnte ihn ſchlagen.“„
„Schenket mir einen Hirſchgulden!“ erwiderte die Frau demüthig bittend.
„Dummes Zeug!“ ſchrie der Graf und warf ihr einige Pfennige unter den Baum.
„Nein! einen Hirſchgulden könnte ich gut brauchen,“ fuhr ſie fort.
„Was Hirſchgulden! biſt ſelbſt keinen Hirſchgulden werth!“ eiferte der Graf.„Schnell das Kind her oder ich hetze die Hunde auf Dich!“ 3
„So? Bin ich keinen Hirſchgulden werth?“ ant⸗ wortete jene mit höhniſchem Lächeln.„Na! man wird ja ſehen, was von Eurem Erbe einen Hirſch⸗ gulden werth iſt; aber da die Pfennige behaltet für Euch.“ Indem ſie dies ſagte, warf ſie die drei kleinen Kupferſtücke dem Grafen zu, und ſo gut konnte die Alte


