Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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11 doch hat man nie gehört, daß er bei ſolchen Gelegen⸗ heiten einen Bauern geſchlagen hätte. In der Gegend aber hieß man ihndas böſe Wetter von Zollern.

Das böſe Wetter von Zollern hatte eine Frau, die der Widerpart von ihm und ſo mild und freundlich war wie ein Maitag. Oft hat ſie Leute, die ihr Eheherr durch harte Reden beleidigt hatte, durch freundliche Worte und ihre gütigen Blicke wieder mit ihm ausge⸗ ſöhnt; den Armen aber that ſie Gutes, wo ſie konnte, und ließ es ſich nicht verdrießen, ſogar im heißen Sommer oder im ſchrecklichſten Schneegeſtöber den ſteilen Berg herab zu gehen, um arme Leute oder kranke Kinder zu beſuchen. Begegnete ihr auf ſolchen Wegen der Graf, ſo ſagte er mürriſch:Weiß ſchon, dummes Zeug, und ritt weiter.

Manch andere Frau hätte dieſes mürriſche Weſen abgeſchreckt oder eingeſchüchtert; die Eine hätte ge⸗ dacht: was gehen mich die armen Leute an, wenn mein Herr ſie für dummes Zeug hält; die Andere hätte viel⸗ leicht aus Stolz oder Unmuth die Liebe gegen einen ſo mürriſchen Gemahl erkalten laſſen; doch nicht alſo Frau Hedwig von Zollern. Die liebte ihn nach wie vor, ſuchte mit ihrer ſchönen weißen Hand die Falten von ſeiner braunen Stirne zu ſtreichen, und liebte und ehrte ihn. Als aber nach Jahr und Tag der Himmel ein junges Gräflein zum Angebinde beſcheerte, liebte ſie ihren Gatten nicht minder, indem ſie ihrem Söhn⸗ lein dennoch alle Pflichten einer zärtlichen Mutter er⸗ zeigte. Drei Jahre lang vergingen, und der Graf von Zollern ſah ſeinen Sohn nur alle Sonntage nach