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hinauf und— wie eine Wolke that ſich die Decke des Gewölbes auseinander, ich flog immer aufwärts zum Rathhausdach hinaus, höher, höher, als der Thurm der Domkirche.„Ha,“ dachte ich im Fliegen,„jetzt iſt es um Dich geſchehen! Wenn du jetzt wieder fällſt, brichſt du das Genick oder zum allerwenigſten ein paar Arme oder Beine! O Himmel, und ich weiß ja, was ſie von einem Mann mit gebrochenen Gliedmaßen denkt! Ade, ade! mein Leben, meine Liebe!“
Jetzt hatte ich den höchſten Punkt meines Steigens erreicht, und eben ſo pfeilſchnell fiel ich abwärts. Krach! Ging es durchs Rathhausdach und hinab durch die Decke des Gewölbes, aber ich fiel nicht auf das Tuch zurück, ſondern gerade auf einen Stuhl, mit dem ich rücklings über den Boden ſchlug.
Ich lag einige Zeit betäubt vom Fall. Ein Schmerz am Kopfe und die Kälte des Bodens weckten mich endlich. Ich wußte anfangs nicht, war ich zu Hauſe aus dem Bette gefallen, oder lag ich ſonſt wo. Endlich beſann ich mich, daß ich irgendwo weit herabgeſtürzt ſei. Ich unterſuchte ängſtlich meine Glieder, es war nichts gebrochen, nur das Haupt that mir weh vom Fall. Ich raffte mich auf, ſah um mich. Da war ich in einem gewölbten Zimmer, der Tag ſchien matt durch ein Kellerloch herab, auf dem Tiſche ſprühte ein Licht in ſeinem letzten Leben, umher ſtanden Gläſer und Flaſchen, und rings um die Tafel vor jedem Stuhl ein kleines Fläſchchen mit langem Zettel am Halſe.— Ha, jetzt fiel mir nach und nach alles wieder ein. Ich war zu Bremen im Rathskeller; geſtern Nacht war ich


