Teil eines Werkes 
5. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Ich kann es nicht begreifen, flüſterte der Fremde, indem er wieder ſinnend nach ihr hin ſah;ich kann es nicht faſſen; dieſe Heiterkeit, dieſer beinahe muth⸗ willige Scherz und ſtille, unglückliche Liebe? Gnä⸗ dige Frau, ich kann es nicht begreifen!

Ja, warum ſoll ſie denn nicht munter ſein, Ba⸗ ron? Sie ahnet wohl nicht, daß Jemand etwas von ihrer meſchanten Aufführung weiß; der Amoroſo iſt in der Nähe*

Iſt in der Nähe? O bitte, Madame! Zeigen Sie mir den Glücklichen, wer iſt er?

Was verlangen Sie! Das wäre ja gegen alle Dis⸗ kretion, die ich der Oberhofmarſchallin ſchuldig bin, mein Freund, daraus wird nichts. Sie können zwar in Warſchau wieder erzählen, was Sie hier geſehen und gehört haben, aber Namen? nein, Namen zu nennen in ſolchen Affairen iſt ſehr unſchicklich; mein Mann kann dergleichen nicht leiden.

Die Ouvertüre war ihrem Ende nahe, die Töne brausten ſtärker aus dem Orcheſter herauf, die Blicke

der Zuſchauer waren feſt auf den Vorhang gerichtet,

um den neuen Don Juan bald zu ſehen; doch der Fremde in der Loge der ruſſiſchen Geſandtſchaft hatte kein Ohr für Mozarts Töne, kein Auge für das Stück, er ſah nur das liebliche, herrliche Kind, das ihm um ſo intereſſanter war, als dieſe ſchönen Augen, dieſe ſüßen,

frreundlichen Lippen heimliche Liebe kennen ſollten. Ihre

Umgebungen, einige ältere und jüngere Damen, hatten zu ſprechen aufgehört: ſie lauſchten auf die Muſik; Sophiens Augen gleiteten durch das gefüllte Haus, ſie