Teil eines Werkes 
5. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ken geahnet hätte auch ihr Anzug entſprach dieſem Bilde einfacher, natürlicher Schönheit; ſie ſchien jeden Schmuck, den die Kunſt verleiht, dem ſtolzen Damen⸗ kreis überlaſſen zu haben.

Sehen Sie, wie lebendig, wie heiter ſie iſt, ſprach in einer der erſten Ranglogen ein fremder Herr zu dem ruſſiſchen Geſandten, der neben ihm ſtand, und beſchaute die Prinzeſſin durch das Opernglas;wenn ſie lächelt, wenn ſie das ſprechende Auge ein klein wenig zudrückt und dann mit unbeſchreiblichem Reiz wieder aufſchlägt, wenn ſie mit der kleinen niedlichen Hand dazu agirt man ſollte glauben, aus ſo weiter Ferne ihre witzigen Reden, ihre naiven Fragen vernehmen zu können.

Es iſt erſtaunlich! entgegnete der Geſandte.

Und dennoch ſollte dieſer Himmel von Freudigkeit nur Maske ſein? Sie ſollte fühlen, ſchmerzlich fühlen, ſie ſollte unglücklich lieben, und doch ſo blühend, ſo heiter ſein? Gnädige Frau, wandte ſich der Fremde

zu der Gemahlin des Geſandten,geſtehen Sie, Sie

wollen mich myſtificiren, weil ich einiges Intereſſe an dieſem Götterkinde genommen habe.

Mon Dieu! Baron, ſagte dieſe mit dem Kopfe wackelnd,Sie glauben noch immer nicht? Auf Ehre, es iſt wahr, wie ich Ihnen ſagte; ſie liebt, ſie liebt unter ihrem Stande, ich weiß es von einer Dame, der nichts dergleichen entgeht. Und wie, meinen Sie, eine Prin⸗ zeſſin, die von Jugend auf zur Repräſentation erzogen iſt, werde nicht Tournüre genug haben, um ein ſo unſchickliches Verhältniß in den Augen der Welt zu ver⸗ bergen?