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„Schweig, Burſche!“ antwortete ihm der zürnende Alte, indem er immer den jungen Willi mit glühenden Blicken anſah.
„Ich denke,“ erwiderte dieſer ruhig und mit ſtol⸗ zer Faſſung,„die Erziehung Ihrer Tochter und Anna's Sitten müßten Ihnen Vürge ſein, daß ein Mann, ſelbſt wenn er allein käme, ſie beſuchen dürfte, voraus⸗ geſetzt, ſie will ihn empfangen, und über den letzteren Punkt ſteht nach allen Geſetzen der guten Sitte der jungen Dame ſelbſt, nicht aber Ihnen, Herr von Thier⸗ berg, die Entſcheidung zu.“
Dieſe Worte ſchienen ſeinen Eifer noch mehr zu entflammen, er athmete tief auf, aber in dieſem Au⸗ genblick trat ſein Neffe muthig dazwiſchen und redete ihn auf eine Weiſe an, die, wie ihn ſein kurzer Aufent⸗ halt bei den Thierbergs gelehrt hatte, die Wirkung nicht verfehlen konnte.„Herr von Thierberg,“ rief er beſtimmt und mit ernſter Miene,„Sie haben mir vor⸗ hin zu ſchweigen geboten, ich werde aber nicht ſchwei⸗ gen, wenn man meiner Chre zu nahe tritt. Ich bin es geweſen, der Herrn von Willi hieher führte, ich bin es geweſen, der ihn hier unterhielt, und er hat mich hieher begleitet, weil ich ihn darum gebeten habe.“
„Du warſt zugegen?“ fragte der Oheim mit etwas gemilderter Stimme.„Aber was Teufel geht Dich das
Zimmer meiner Tochter an? Was hatteſt Du hier zu ſuchen?“ 3
Mit einer theatraliſchen Wendung und ſprechender
Miene wandte ſich der Neffe gegen die Hinterwand des


