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ſton ins Feuer führen, um den ſchwankenden Sieg zu entſcheiden.
Der Gaſt aus der Mark ahnete, daß dort in jenem Fenſterbogen ein Entſchluß gefaßt oder mitgetheilt worden ſei, der auf Anna's Schickſal ſich beziehe, und das Herz pochte ihm, wenn er an den eiſernen Trotz ſeines Oheims dachte. Die Diener hatten indeſſen Wein herbeigebracht, man ſetzte ſich in eines der weiten Fenſter, und wenn nur die Gemüther der fünf Men⸗ ſchen, die um den kleinen Tiſch ſaßen, weniger befan⸗ gen waren, der ſchöne Tag, der Anblick des herrlichen Thales, das vor ihnen lag, hätte ſie zu immer höherer Freude ſtimmen müſſen.
Der General, dem es peinlich ſein awchtt. daß das Geſpräch nach und nach zu ſtocken anfing, bat Anna um ein Lied, und ein Wink ihres Vaters bekräftigte dieſe Bitte. Man brachte ihre Guitarre herbei, der junge Willi ſtimmte die Saiten; aber waren es die Worte des Generals, war es der Anblick ihres Vaters, war es die lang erſehnte Nähe des Geliebten, was ſie verwirrte, ſie erröthete und geſtand, daß ſie in dieſem Augenblick kein paſſendes Lied zu ſingen wüßte. Man ſchlug vor, man verwarf, bis Rantow beifiel, wie man einſt in Berlin eine berühmte ſchöne Sängerin von einer ähnlichen Verlegenheit befreite. Er ſchnitt kleine Zettel und ließ Jeden ein Lied aufſchreiben. Dann fal⸗ tete er die Papiere geſchickt und zierlich zuſammen, ſchüttelte ſie als Looſe durcheinander und ließ die Sän⸗ gerin eines wählen.
Sie wählte, ſie eröffnete das Loos und erröthete


