113 nicht ſo feſt wie ſonſt; es lag Kummer um den holden Mund, und ihre Augen ſchienen weicher geworden zu ſein. Er pries im Stillen ihren richtigen Takt, daß ſie mehr zu dem General ſprach, als zu ihm, denn er hätte, von dieſem Anblick ergriffen, nicht Faſſung genug gehabt, Gleichgültiges mit ihr zu reden. Rantow, der einen
. ganz andern Auftritt erwartet hatte, wunderte ſich,
daß auch in dieſem„ehrlichen Schwaben,“ wo ihm ſonſt Alles ſo offen und ehrlich däuchte, vier Menſchen, die ſich ſo nahe ſtanden, ein ſo falſches Spiel unter ſich ſpielen könnten, ihre Gedanken, ihre Leidenſchaften unter einer ſo ruhigen Hülle zu verdecken wüßten. Er ſah ſtaunend bald den jungen Willi und den alten Thierberg an, die ganz ruhig und abgemeſſen ſich über die Ereigniſſe der letzten Woche beſprachen. Bald hörte er auf das Geſpräch zwiſchen dem General und der Geliebten ſeines Sohnes, die daſſelbe Thema, nur mit Veränderungen, abhandelten, wobei übrigens Anna eine ſolche Ruhe an den Tag legte, daß ſie nie haſtig fragte, von nichts mehr, als ſchicklich, ergriffen war. Der General wandte ſich im Geſpräch und ging mit ihr langſam im Saal auf und ab. Er ſtellte ſich endlich, wie zufällig, in einen tiefen Fenſterbogen, und Albert entging es nicht, daß er ſich dort ſchnell zu dem ſchoͤnen Mädchen herabbückte, ihr etwas zuflüſterte, was eine tiefe Röthe auf ihre Wangen jagte. Sie ſchien erſchrocken, ſie faßte ſeine Hand, ſie ſprach leiſe heftig zu ihm, aber er lächelte, ſchien ſie zu beruhigen, zu tröſten, und ſo ſtolz und zuverſichtlich war ſeine Stirne, waren ſeine Züge, als müßte er in dieſem Augenblick ſeine Divi⸗


