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aus der Mark nicht mit in das Geheimniß gezogen. Der Vater ſchien es zu bereuen, daß er ſich nur ſo weit gegen ſeinen Neffen ausgeſprochen habe, und Anna hatte mit ihm ſeit einigen Tagen nie über Willi ge⸗ ſprochen, ſei es auf ein Verbot ihres Vaters, ſei es aus Argwohn, er mochte dem Alten ihr Geheimniß verrathen haben. Seit jenem Abend jedoch, wo die Rückkehr Roberts angekündigt worden war, herrſchte eine Span⸗ nung, die um ſo drückender wurde, da die Geſellſchaft zwar aus dreierlei Parteien, aber— nur aus drei Per⸗ ſonen beſtand.
Anna ſprach wenig, hielt ſich meiſt auf ihrem Zim⸗ mer auf, wohin Albert noch niemals eingeladen worden war. Der Alte war mürriſch, aufbrauſender als ſonſt gegen ſeine Diener, gegen ſeinen Gaſt herzlich, wie zuvor, aber ernſter und einſilbiger; gegen ſeine Toch⸗ ter kalt und gleichgültig. Er trank, trotz der bittenden Blicke, die Anna zuweilen nach ihm hinzuſenden wagte, mehr Wein als gewöhnlich, ſchimpfte dann auf die ganze Welt, verſchlief den Nachmittag und ließ ſich Abends den Amtmann holen, um ein Spiel mit ihm zu machen. Dann ſetzte ſich Anna mit ihrer Arbeit in ein Fenſter, ließ ſich von dem Vetter etwas vorleſen, aber Thränen, die hin und wieder auf ihre Hand herabfſielen, zeigten dem jungen Mann, wie wenig ihr Geiſt mit dem beſchäftigt ſei, was er eben las. Der Anfall von Gicht, der über den Alten kam, machte die Sache wo möglich noch ſchlimmer. Man ſah, wie er alle Kraft aufbot, ſeine Schmerzen zu unterdrücken, nur um der natürlichen Hülfe ſeiner Tochter weniger zu bedürfen,


