20 ſich ſah; ſie errothete flüchtig, aber ſie ſenkte ihren Blick nicht, der fragend an dem unerwarteten Beſuch hing. Der junge Mann verbeugte ſich einigemal, ehe er recht wußte, was er ſagen ſollte.„Iſt wohl das ſchöne Mädchen Couſine Anna?“ war alles, was er in dieſem Augenblick zu denken und ſich zu fragen ver⸗ mochte, und erſt als er ſich dieſe Frage ſchnell bejaht hatte, trat er näher zu der jungen Dame, die indeſſen ihr Buch ſchloß und von ihrem Bänkchen aufſtand. „Bitte um Vergebung,“ ſagte er,„wenn ich Sie ge⸗ ſtört haben ſollte; ich fürchte, von dem Wege abgekom⸗ men zu ſein. Kann ich hier nach dem Schloß des Herrn von Thierberg kommen?“
„Auf dieſem Fußpfad nicht wohl, wenn Sie hier nicht bekannt ſind,“ erwiderte ſie mit einer klangvollen Stimme;„Sie haben oben einen Fußpfad links gelaſſen, der nach dem Schloß führt.“ Sie verbeugte ſich nach dieſen Worten, und der junge Mann ging ſeinen Weg
zurück; doch kaum hatte er einige Schritte gemacht, ſo
zog ihn ein unwiderſtehliches Gefühl zurück. Das ſchöne
Mädchen ſtand noch einmal von ihrem Sitz auf, als ſie
ihn zurückkehren ſah, doch diesmal ſchien Beſtürzung ihre Wangen zu färben, und eine gewiſſe Ängſtlichkeit blickte aus ihren großen Augen. Auf die Gefahr hin, für unbeſcheiden zu gelten, fragte der Reiſende, ob er vielleicht die Ehre gehabt habe, mit Fräulein von Thierberg zu ſprechen?
„Ich heiße ſo⸗“ antwortete ſie etwas befangen. „Eh bien, ma chere cousine!“ ſagte er lächelnd,
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