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von dieſer Höhe eine weite Ausſicht in das Thal genie⸗ ßen. Er ließ den Wagen weiter fahren und ſtieg den Seitenpfad hinan. Ein Wald von prachtvollen Buchen nahm ihn auf. Nie hatte er dieſen Baum ſo kräftig, ſo majeſtätiſch geſehen, zwiſchendurch erblickte er hie und da Eichen und ſchöne Eſchen und zu ſeiner nicht geringen Verwunderung Waldkirſchbäume von unge⸗ wöhnlicher Höhe. Nach und nach wurde ihm das Stei⸗ gen ſchwerer; der Berg ſchien ſich auf einmal ſteiler zu erheben und er war oft verſucht, die unbequeme Ele⸗ ganz zu verwünſchen, in welche ihn ſein Berliner Schnei⸗ der gekleidet hatte. Endlich hatte er den Gipfel erreicht, aber noch öffnete ſich keine Ausſicht. Die Bäume ſchie⸗ nen dichter zu werden, je mehr ſich der Pfad wieder ſenkte, und als ſich, um ſeine Ungeduld zu vermehren, der kleine Pfad in zwei noch kleinere theilte, die nach verſchiedenen Richtungen liefen, ſchmälte er auf den Kutſcher und auf ſeine eigene Thorheit, die ihn verlei⸗ tet hatten, in einem fremden Wald ſich zu verirren. Er ſchlug endlich den Weg rechts ein und ſah, nachdem er einige hundert Schritte gegangen war, zu ſeiner großen Freude ein buntes Kleid durch das Laub ſchimmern. Er verdoppelte ſeine Schritte und war nicht wenig betroffen, als er plötzlich vor einer jungen Dame ſtand, die im Schatten einer alten Eiche auf einer Bank ſaß. Sie hatte ein Buch in der Hand, von welchem ſie als ſein Schritt in den abgefallenen Blättern rauſchte, langſam und ruhig ihre ſchönen Augen erhob; doch auch ſie ſchien betroffen, als es ein junger, ſtädtiſch gekleideter Herr war, den ſie in dieſer Einſamkeit vor


