Teil eines Werkes 
4. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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wandten Reiſegefährten keinen ſolchen vermuthet hätte. Sein neuer Nachbar, der ihm gleich in der erſten Vier⸗ telſtunde vertraute, daß er ein Hopfenhändler aus Baiern ſei, machte ihm den Verluſt, den er erlitten, nur um ſo fühlbarer, und da er am Hopfenbau wenig Unterhaltung fand, beſchäftigte er ſich damit, über den Charakter des jungen Mannes, der ihn verlaſſen hatte, nachzudenken, und dann noch einmal alle Erwartungen und Hoffnungen zu durchlaufen, die er ſich von ſeinen Verwandten, zu welchen er reiste, gemacht hatte. Von dem Oheim verſprach er ſich für ſeine Unterhaltung wenig; er mußte nach ſeiner Berechnung ein vorgerück⸗ ter Sechziger ſein; mürriſch, ungeſellig und eigenſinnig hatte ihn ſein Vater ſchon vor fünfundzwanzig Jahren gekannt, und ſolche Eigenſchaften pflegen ſich im Alter nicht zu verbeſſern. Deſto mehr verſprach ſich der junge Mann von Fräulein Anna, ſeiner Couſine. Von einem ſeiner Freunde, der längere Zeit in Schwaben gelebt hatte, war ſie ihm als Zierde dieſes Landes genannt worden. Ein angenehmes, trauliches Verhältniß von fünf bis ſechs Wochen ſchien ihm ganz wünſchenswerth, und ſo eifrig war ſeine Berechnung der Mittel, die ihm zu Gebot ſtanden, ſich liebenswürdig zu zeigen, ſo ge⸗ wiß war er ſich des Eindrucks bewußt, den ſeine Per⸗ ſon, ſein Weſen unfehlbar machen müſſe, für ſo leicht zu erobern hielt er das Herz eines Fräuleins in Schwa⸗ ben, daß ihm nicht einmal der Gedanke kam, die ſchöne Couſine Anna könne ſich vielleicht ſchon verſehen haben.

Er ließ ſich, in der Reſidenz angekommen, ſogleich nach dem Hauſe führen, wo ſein Onkel ſonſt gewohnt hatte,