192
das Kammermädchen,„mich ſoll er nicht mehr anreden dürfen!“—
„Ich habe Dir geſagt, Du ſollſt nicht mehr von ſolchen Dingen reden,“ rief Eliſe, mit der Röthe des Unmuthes auf den Wangen.
„Ach Gott! gnädiges Fräulein, ich will ja auch gar nichts mehr von dem ſchlechten Menſchen wiſſen, aber ich ſagte nur ſo, weil er wieder in Herrn Kapers Laden ſteht.“
Eliſe zitterte, ſie wollte von dem Spiegel hinweg⸗ eilen, aber unwiderſtehlich zog es ſie an das Fenſter. Sie warf einen Blick hinüber, und unter jener Thüre ſtand Zundler.
„Wie!“ rief ſie, kaum ihrer Worte mächtig, der Zofe zu,„iſt es denn dieſer?“
„J, freilich! aber werden Sie mir nur nicht böſe!“
„Und dieſer auch, den Du damals meinteſt?“ fuhr ſie mit bebenden Lippen fort.
„Wer denn anders?“ entgegnete Jene ruhig;„aber ich weiß jetzt, er iſt ein ſchlechter Menſch, und jetzt weiß ich auch, wie er heißt, Doktor Zundler.“
„Geh, geh, bringe die Kleider weg,“ flüſterte Eliſe, indem ſie ihr glühendes Geſicht halb bewußtlos in die Kiſſen des Sophas drückte; das Mädchen eilte erſchrocken hinweg, und die unglückliche Braut war mit ihrem Gram allein. Welche Gefühle ſtürmten auf ſie ein! Beſchämung, Liebe, Unmuth über ſich ſelbſt. Sie ſprang auf; ein Gang durch das Zimmer machte ſie muthiger. Sie wollte Rempen alles geſtehen, ſie war einen Augenblick überzeugt, er werde ſo edel ſein, zurückzu⸗


