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Uhr Morgens, als ein Kanonenſchuß von dem Eng⸗
länder herüberſchallte, zum Zeichen, daß die Paſ⸗ ſagiere ſich an die Küſte begeben ſollen. Zu gleicher Zeit ruderte eine Schaluppe heran, und warf ihr Brett aus, um die Reiſenden einzunehmen. Vom Land her kamen viele Perſonen mit Gepäck, gingen über das Brett, und bald war die Schaluppe voll, und die erſte Ladung wurde an Bord’ gebracht. Che noch die Scha⸗ luppe zum zweitenmale anlegte, ſah man vier Perſo⸗ nen ſich dem Strande nähern, die ſich durch Gang, Haltung und Kleidung von den übrigen ärmlicheren Paſſagieren unterſchieden. Ein hoher, ältlicher Mann ging ſtolzen Schrittes voraus; er hatte einen breitge⸗ krämpten Hut auf, und den Mantel ſo kunſtreich und bequem um die Schultern geſchlagen, daß ein Schiffer, der ihn kommen ſah, ausrief:„Ich laß mich freſſen, wenn es kein Spanier iſt;“ hinter jenem kam ein jün⸗
gerer Herr, der eine ſchöne, ſchlankgebaute Dame führte. Der junge Herr war ſehr bleich, ſchien einen großen Kummer niederzukämpfen, um durch Zureden einen noch größeren bei der Dame zu beſchwichtigen. Ihr ſchönes Geſicht war um Auge und Stirne von heftigem Weinen geröthet, der Mund ſchmerzlich eingepreßt und die Wangen und untern Theile des Geſichtes ſehr bleich. Sie ging ſchwankend, auf den Arm des jungen Man⸗ nes geſtützt; ein Hütchen mit wallenden Strausfedern; ein wallendes Kleid von ſchwerem ſchwarzem Seiden⸗
zeug, um Hals und Buſen reiche Goldketten, ſchienen
nicht zur Reiſe zu paſſen, und man konnte daher glau⸗ ben, daß ſie den jungen Mann an Bord begleite;
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