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durch Verwandtſchaft, mein Herz und einen zwanzig⸗ jährigen Gram gehörſt Du mir näher an, als irgend Jemand auf der Erde!“ Ihre Zlicke, die über ſeine Schultern weg auf Fröben fielen, ſchienen dieſe letztere Behauptung nicht gerade zu beſtätigen, aber ſie küßte
gerührt ſeine Hand, und nannte ihn ihren Oheim,
ihren zweiten Vater.
Die Freude des Wiederſehens dauerte übrigens nur wenige Tage. Don Pedro erklärte ſehr beſtimmt, daß ihn ſeine Geſchäfte nach Portugal rufen und zugleich ſchien er gar nicht einzuſehen, was Joſephen abhalten könnte, ihm dahin zu folgen; er hegte zu ſtrenge Grund⸗ ſätze über die Artikel ſeiner Kirche, als daß er den Ge⸗ danken für möglich gehalten hätte, Fröben könne Joſephe, die getrennte Gattin eines Andern, zur Frau begehren. Es iſt uns nicht bekannt geworden, was die
Liebenden über dieſen ſtzittigen Punkt verhandelten;
nur ſoviel iſt gewiß, daß Fröben einigemal darauf hin⸗ deutete, ſie ſolle zum evangeliſchen Glauben zurück⸗ kehren, daß ſie jedoch, zwar mit unendlichem Schmerz,
aber ſehr beſtimmt, dieſen Vorſchlag abwies. Oft ſoll
ihr der junge Mann, in Verzweiflung über die heran⸗ nahende⸗Trennung, vorgeſchlagen haben, ſie ſolle Don Pedro ziehen laſſen, ſie ſolle für ſich leben, in Deutſch⸗ land bleiben, er wolle, wenn er nicht ihr Gatte werden könne, auf immer als Freund um ſie ſein. Aber auch dies lehnte ſie ab; ſie geſtand ihm offen, daß ſie ſich zu ſchwach fühle, ein ſolches Verhältniß mit Ehren hin⸗ auszuführen, und ſtolzer gemacht durch ihr Unglüc, bebte ſie zurück vor dem Gedanken an eine unwürdige


