Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Meinen langen Stoßdegen her, Diego, den mach, ich kalt, ſo wahr ich ein guter Chriſt und ſpaniſcher Edel⸗ mann bin; ich ſtech' ihn nieder und hätte er ein Crueifir vor der Bruſt, ich bring ihn um, ohne Abſolution und ohne alle Sakramente ſchick ich ihn zur Hölle, ſo thu⸗ ich. Bring mir mein Schwert, Diego!

Aber Fröben zog den zitternden, vom Zorn erſchöpf⸗ ten Alten zu ſich nieder; er ſuchte ihm begreiflich zu machen, wie dies alles nicht nöthig ſei, denn Joſephe ſei ſchon aus der Gewalt des rohen Menſchen befreit und lebe getrennt von ihm. Er holte, um ihn noch mehr

zu beſänftigen, jenes Bild herbei, und entfaltete es

vor den ſtaunenden Blicken Pedro's. Entzückt betrach⸗ tete es der Don.Ja, ſie iſt es, rief er, alles Uebrige vergeſſend,meine arme, unglückliche Laura! Und weinend umarmte er den jungen Mann, nannte ihn ſeinen lieben Sohn und dankte ihm mit gebrochener Stimme für alles, was er an der unglücklichen Mutter und ihrer armen Tochter gethan.

Am andern Morgen brach er mit Fröben nach dem Gut der Gräfin auf. Es war ein rührender Anblick, wie der alte Mann die ſchöne jugendliche Geſtalt Jo⸗ ſephens umſchlungen hielt, wie er ihre Züge aufmerkſam betrachtete, wie ſeine ſtrengen Züge immer weicher wurden, wie er ſie dann gerührt auf Auge und Mund küßte.Ja, Du biſt Laura's Tochter! rief er.Dein Vater hat Dir nichts gegeben, als ſein blondes Haar, aber das ſind ihre lieben Augen, das iſt ihr Mund, das ſind die ſchönen Züge der Tortoſi! Sei meine Tochter, liebes Kind; ich habe keine Verwandten und bin reich;