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„San Pedro! San Jago di Compoſtella!“ mur⸗ melte der Alte,„welch langweiliger, alberner Dilet⸗ tante!“ Unmuthig verließ er das Zimmer und die Ga⸗ lerie, denn er fühlte, heute ſei ihm ſchon aller Genuß benommen durch Verdruß und Aerger. Hätte er doch lieber gewartet! Den Tag nachher war die Galerie geſchloſſen, und ſo mußte er ſich achtundvierzig lange Stunden gedulden, bis er wieder zu dem Gemälde gehen konnte, das ihn in ſo hohem Grade intereſſirte. Noch ehe die Glocken der Stiftskirche völlig zwölf Uhr geſchla⸗ gen, ſtieg er mit anſtändiger Eile die Treppe hinan, hinein in die Galerie, dem wohlbekannten Zimmer zu,
und getroffen! er war der erſte, war allein, konnte.
einſam betrachten.
Er ſchaute die Dame lange mit unverwandten Bli⸗ cken an, ſein Auge füllte nach und nach eine Thräne, er fuhr mit der Hand über die grauen Wimpern.„O Laura!“ flüſterte er leiſe. Da tönte ganz vernehmlich ein Seufzer an ſeine Ohren, er wandte ſich erſchrocken
um, der junge Mann von vorgerſtern ſtand wieder hier
und blickte auf das Bild. Verdrießlich, ſich unterbrochen
zu ſehen, nickte er mit dem Haupt ein flüchtiges Com⸗
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pliment, der junge Mann dankte etwas freundlicher,
aber nicht minder ſtolz als der Spanier. Auch diesmal
wollte der Letztere den überflüſſigen Nachbar abwarten;
aber vergeblich, er ſah zu ſeinem Schrecken, wie jener
ſogar einen Stuhl nahm, ſich einige Schritte vor dem
Gemälde niederſetzte, um es mit gehöriger Muße und
equemlichkeit zu betrachten.
„Der Geck,“ murmelte Don Pedro, nich glaube


