Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Donna kenne, die hier gemalt iſt? Sonderbar, wie oft die Einbildung ganz vernünftigen Menſchen mitſpielt; und mich müßte Alles täuſchen, wenn der Spanier zum Letztenmal hier geweſen wäre.

3.

Und es traf ein. Kaum war die Galerie am folgen⸗ den Vormittag geöffnet worden, trat auch ſchon Don Pedro de San Montanjo Ligez feſten, erhabenen Schrittes ein und ſtrich an der langen Bilderreihe vor⸗ über nach jenem Zimmer hin, wo die Dame mit dem Federhute aufgeſtellt war. Es verdroß ihn, daß der Platz vor dem Bilde ſchon beſetzt war, daß er es nicht allein und einſam, Zug für Zug muſtern konnte, wie er ſo gerne gethan hätte. Ein junger Mann ſtand da⸗ vor, blickte es lange an, trat an ein Fenſter, ſah hinaus nach dem Fluge der Wolken und trat dann wieder zu dem Bilde. Es verdroß den alten Herrn etwas; doch er mußte ſich gedulden.

Er machte ſich an andern Bildern zu ſchaffen, aber erfüllt von dem Gedanken an die Dame drehte er alle Augenblicke den Kopf um, um zu ſehen, ob der junge Herr noch immer nicht gewichen ſei, aber er ſtand wie eine Mauer, er ſchien in Betrachtung verſunken. Der Spanier huſtete, um ihn aus den langen Träumen zu wecken, Jener träumte fort; er ſcharrte etwas Weniges mit dem Fuß auf dem Boden, der junge Mann ſah ſich um, aber ſein ſchönes Auge ſtreifte flüchtig an dem alten Herrn vorüber und haftete dann von Neuem auf dem Gemälde.