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es von einem berühmten Meiſter vor mehren hundert Jahren gefertigt und durch Zufall in die Hände der jetzigen Eigenthümer gekommen ſei.
„O Gott, nein!“ antwortete er,„das Bild iſt neu, nicht hundert Jahre alt; woher, ſagen Sie, woher? O ich beſchwöre Sie, wo kann ich ſie finden?“
Der Mann war alt und ſah zu ehrwürdig aus, als daß man dieſen Ausbruch des Gefühls hätte lächerlich finden können; doch als er dieſelbe Behauptung wieder hörte, daß das Bild alt und wahrſcheinlich von Lucas Cranach gemalt ſei, da ſchüttelte er bedenklich den Kopf.
„Meine Herren,“ ſprach er, und legte betheurend die Hand aufs Herz,„meine Herren, Don Pedro de San Montanjo Ligez hält Sie für ehrenwerthe Leute. Sie ſind nicht Gemäldeverkäufer und wollen mir dies Bild nicht als alt verkaufen; ich darf durch Ihre Güte dieſe Bilder ſehen, und Sie genießen die Achtung dieſer
Proyvinz. Aber es müßte mich Alles täuſchen oder— ich kenne die Dame, die jenes Bild vorſtellt.“ Mitt dieſen Worten ſchritt er, ehrerbietig grüßend, aus dem Zimmer.
„Wahrhaftig!“ ſagte einer der Eigenthümer der Galerie,„wenn wir nicht ſo genau wüßten, von wem dieſes Bild gemalt iſt, wann und wie es in unſern Beſitz kam, und welche lange Reihe von Jahren es vorher in K. hing, man wäre verſucht, an dieſer Dame irre zu werden. Scheint nicht ſelbſt den jungen Fröben irgend eine Erinnerung beinahe täglich vor dieſes Bild zu trei⸗ ben, und dieſer alte Don, blitzte nicht ein jugendliches
Fener aus ſeinen Augen, als er geſtand, daß er die
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