dies Bild hieher gekommen ſei?“ Man ſagte ihm, daß
8 9 mit feinem, zierlichem Mund und zartem, rundem Kinn trat ſehr lebendig aus dem Hintergrund hervor. Die ſchöne Stirne umzog reiches Haar und ein kleiner Hut, mit weißen, buſchigen Federn geſchmückt, der etwas ſchalkhaft zur Seite ſaß. Das Gewand, das nur den ſchönen, zierlichen Hals frei ließ, war mit ſchweren goldenen Ketten umhängt und zeugte eben ſo ſehr von der Sittſamkeit als dem hohen Stande der Dame.
„Am Ende iſt er wohl in das Bild verliebt,“ dachte man,„wie Kalaf in das der Prinzeſſin Turandot, ob⸗ ſchon mit ungleich geringerer Hoffnung, denn das Bild iſt wohl dreihundert Jahre alt und das Original nicht mehr unter den Lebenden.“ 3
Nach einiger Zeit ſchien aber Fröben nicht mehr der einzige Anbeter des Bildes zu ſein. Der Prinz von P. hatte eines Tages mit ſeinem Gefolge die Galerie be⸗ ſucht. Don Pedro, der Haushofmeiſter, hatte die um⸗ herſchreitende Schaar der Zuſchauer verläſſen und beſah ſich die Gemälde, einſam von Zimmer zu Zimmer wan⸗ delnd; doch wie vom Blitz gerührt, mit einem Ausruf des Erſtaunens, war er vor dem Bild jener Dame ſtehen geblieben. Als der Prinz die Galerie verließ, ſuchte man den Haushofmeiſter lange vergebens. Endlich fand man ihn mit überſchlagenen Armen, die feurigen Augen halb zugedrückt, den Mund eingepreßt, in tiefer Be⸗ trachtung vor dem Bilde.
Man erinnerte ihn, daß der Prinz bereits die Treppe hinabſteige, doch der alte Mann ſchien in dieſem Augen⸗ blicke nur für eines Sinn zu haben. Er fragte:„Wie


