liches
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machte kühne Conjecturen, und am Ende hätte doch der junge Mann ſelbſt den beſten Aufſchluß darüber geben können, wenn ihn nur Einer gefragt hätte.
2.
Und war es denn nicht die ſchöne Galerie der Brüder Boiſſerée und Bertram, wo ſie ſich zuerſt fanden und erkannten? Dieſe gaſtfreien Männer hatten dem jungen Manne erlaubt, ihre Bilder ſo oft zu beſuchen als er immer wollte; und er that dies, wenn er nur immer in der Mittagsſtunde, wo die Galerie geoͤffnet wurde, kommen konnte. Es mochte regnen oder ſchneien, das Wetter mochte zu den herrlichſten Ausflügen in die
Gegend locken, er kam; er ſah oft recht krank aus und kam dennoch. Man würde aber unbilligerweiſe den
Kunſtſinn des Herrn von Fröben zu hoch anſchlagen,
wenn man etwa glaubte, er habe die herrlichen Bilder der alten Niederländer ſtudirt oder nachgezeichnet. Nein, er kam leiſe in die Thüre, grüßte ſchweigend und ging
in ein entferntes Zimmer, vor ein Bild, das er lange betrachtete, und eben ſo ſtill verließ er wießer die Galerie. Die Eigenthümer dachten zu zart, als zaß ſie ihn über ſeine wunderliche Vorliebe für das Bily befragt hätten; aber auch ihnen mußte es natürlich aufgefallen ſein,
denn oft, wenn er herausging, buf er nur ſchlecht
die Thränen verbergen, die ihm im Auge quollen. Großen hiſtoriſchen oder bedeutenden Kunſtwerth
hatte das Bildchen nicht. Es ſtellte cine Dame in halb
venchan halb altdeutſcher Trocht vor. Ein freund⸗
ühendes Geſicht mit klaren, liebevollen Augen, 3


