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„ich habe mich überzeugt, daß es ein Mitſchuldiger des Chevalier iſt, dem ich ſchon lange auf der Spur bin. Ich habe ihn ſchon hieher bringen laſſen, er wird mit dem Mörder confrontirt werden.“.
„Nicht möglich!“ rief die Dame,„ein Mitſchul⸗ diger?“
„Ja! ja!“ ſagte der Herr mit ſchlauem Lächeln, „ich weiß allerlei, wenn man mir es auch nicht angibt. Aber Gottlob, wir ſind oben, hier iſt ja gleich Nr. 53. Mademoiſelle, haben Sie die Güte, einſtweilen hier auf 54 einzutreten; der Kapellmeiſter hat es erlaubt und wird Sie nicht hinauswerfen; dafür wollte ich ſtehen. Wann das Verhör an Sie kommt, werde ich Sie rufen.“
Wir brauchen nicht erſt zu ſagen, daß dieſe drei Perſonen die Sängerin, der Doktor und der Direktor waren; ſie kamen, um den Chevalier de Planto eines Mordverſuchs anzuklagen. Der Direktor und der Medieinalrath traten ein; der Kranke ſaß noch eben ſo im Bette, wie ihn der Doktor in der Nacht geſehen; nur ſchienen beim Tageslicht ſeine Züge noch graſſer, der Ausdruck ſeiner Augen, die ſchon zu erſtarren an⸗ fingen, noch ſchauerlicher. Er ſah bald den Doktor, bald den Direktor mit ſeelenloſen Blicken an, dann ſchien er nachzuſinnen, was hier in ſeinem Zimmer vor⸗ gehe, denn der Referendarius Pfälle, ein kurzer, junger Mann mit rothen Wangen und kleinen Auglein hatte ſich einen Tiſch zurecht geſtellt, einen Stoß Papier vor ſich hingelegt; und hielt eine lange Schwanenfeder in der Rechten, um zu protokolliren. 5 3


