Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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.* 163 ihm auf er ſah wieder hin, es war dieſelbe Farbe, derſelbe Stoff, es war das Tuch, das man bei der Sän⸗ gerin gefunden. Der kleine Menſch wollte es dem Kran⸗ ken überreichen; er ſtieß es zurück.Gehe zu allen Teufeln, Du Thier! Wie oft muß ich es ſagen, eau d'Heliotrope darauf! Der Diener holte eine kleine Flaſche hervor und beſprengte das Tuch; ein angeneh⸗ mer Geruch verbreitete ſich im Zimmer es war daſ⸗ ſelbe Parfüm, das jenes gefundene Tuch an ſich getragen.

Der Medicinalrath bebte an allen Gliedern; es war kein Zweifel mehr, er hatte hier den Mörder der Sän⸗ gerin Bianetti, den Chevalier de Planto vor ſich; es war ein Hülfloſer, ein Kranker, ein Sterbender, der hier im Bette ſaß; aber dem Doktor war es, als könne er alle Augenblicke aus dem Bette fahren und nach ſei⸗ ner Kehle greifen; er ergriff ſeinen Hut, es trieb ihn fort aus der Nähe des Schrecklichen.

Der kleine Lakai packte ihn am Rock, als er ihn gehen ſah.Ach, Wohledler! ſtöhnte er.Sie wer⸗ den mich doch nicht bei ihm allein laſſen wollen? Ich halte es nicht aus, wenn er jetzt ſtürbe, und dann ſo⸗ gleich als flanellenes Geſpenſt mit der Zipfelmütze auf dem Schädel auf und ab ſpazirte! Um Gottes Barm⸗ herzigkeit willen, verlaſſen Sie mich nicht!

Der Kranke grinste fürchterlich und lachte und fluchte unter einander; er ſchien dem Kleinen zu Hülfe kommen zu wollen, er ſtreckte ein langes, dürres Bein aus dem Bette, er krallte die dünnen Finger nach dem Doktor. Doch dieſer hielt es nicht mehr aus; der Wahn⸗ ſinn ſchien ihn anzuſtecken; er warf den Kleinen zurück