Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

161 teln ſuchte, und er fuhr unwillkürlich zurück, da er die feuchte, kalte Hand in der ſeinigen fühlte, als er lange umſonſt nach einem Puls ſuchte.

Der dumme Kerl, rief der Kranke mit heiſerer

Sctimme, indem er bald Franzöſiſch, bald ſchlechtes

Italieniſch und gebrochenes Deutſch untereinander warf, der dumme kleine Kerl hat mir, glaube ich, einen Doktor gebracht. Sie werden mir verzeihen, ich habe nie viel von Ihrer Kunſt gehalten. Das Einzige, was mich heilen kann, ſind die Bäder von Genua; ich habe dem böte ſchon befohlen, daß er mir Poſtpferde beſtellt; ich werde heute Nacht noch abfahren.

Freilich wird er abfahren, murmelte der kleine Menſch;aber mit ſechs kohlſchwarzen Rappen, und nicht nach Genua, wo der ſelige Fiesko ertrunken, ſon⸗ dern dahin, wo Heulen und Zähnklappern.

Der Doktor ſah, daß hier wenig mehr zu machen ſei; er glaubte die Vorzeichen des nahen Todes in den Augen, in den unruhigen Bewegungen des Kranken zu leſen, ſelbſt jene Sehnſucht zu reiſen und hinaus ins Weite zu kommen, war ſchon oft der Vorbote eines ſchnellen Endes geweſen. Er rieth ihm daher, ſich ruhig nieder zu legen und verſprach ihm einen kühlen Trank zu bereiten.

Der Kranke lachte grimmig.Liegen, ruhig liegen? antwortete er.Wann ichliege, höre ich auf zu athmen! ich muß ſitzen, im Wagen muß ich ſitzen, fort, weit fort; Was ſagt der kleine Menſch? Hat er die Pferde be⸗

. ſtellt? Kleiner Hund,haſt Du mein Gepäckin Ordnung?

Ach Herr und Vater! krächzte der Kleine,jetzt W. Hauffs Werke. I. 11.