körpert im Bette. Es war ein großer, hagerer, aͤltlicher Mann, er hatte eine ſpitzig aufſtehende, wollene Schlaf⸗ mütze tief in die Stirne gezogen, ſeine enge Bruſt, ſeine langen, dünnen Arme waren mit Flanell überkleidet; unter der Mütze ragte eine große, ſpitzige Naſe aus einem mageren, braungelben Geſicht hervor, das man ſchon todt und erſtorben geglaubt hätte, wären es nicht
ein Paar graue, ſtechende Augen geweſen, die ihm noch⸗
etwas Leben und einen ſchrecklichen, grauenerregenden Ausdruck gaben. Seine langen, dünnen Finger, die mit den hagern Gelenken weit aus den ÄArmeln hervorragten, hatte er zuſammengekrümmt, er kratzte mit heiſerem, wahnſinnigen Lachen auf der Bettdecke.
„Schaut! er kratzt ſich ſchon ſein Grab!“ flüſterte der kleine Menſch und weckte damit den Doktor aus ſei⸗ nem Hinſtarren auf den Kranken. So, gerade ſo hatte ſich dieſer den Chevalier von Planto gedacht; dieſes tückiſche, graue Auge, dieſe unheilverkündenden Züge, dieſe dürre, geſpenſterhafte Figur— es war hier Alles, was die Sängerin von jenem ſchrecklichen Manne geſagt hatte. Doch er beſann ſich: kam er denn nicht jetzt eben von der Verhaftung jenes Chevaliers? Konnte nicht ein anderer Mann auch graue Augen haben? War es zu verwundern, daß ein Kranker abgefallen und bleich war? Der Doktor lachte ſich ſelbſt aus, fuhr mit der Hand über die Stirne, als wolle er dieſe Gedanken hinwegwiſchen, und trat an das Bett.— Doch noch nie hatte er in ſo lan⸗ gen Jahren am Bette eines Kranken Grauen und Furcht gefühlt— hier, es war ihm unerklärlich, hier befiel ihn eine Beengung, ein Schauer, den er umſonſt abzuſchüt⸗


