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Hotel de Portugal ſtand vor ihm, bleich und von Schrecken entſtellt:„Um Gottes Barmherzigkeit willen, Herr Medicinalrath, kommen Sie doch gefälligſt mit mir auf Nr. 53, eben will der Teufel den franzöſiſchen Herrn holen.“
„Was ſchwatzt Er da?“ ſagte der Doktor unwillig und wollte ihn auf die Seite ſchieben, um dem Gefan⸗ genen auf die Polizeidirektion zu folgen.„Was geht es mich an, wenn ihn der Satan zu ſich nimmt?“
„Aber ich bitte Sie,“ rief der Kleine beinahe heu⸗ lend,„er kann vielleicht doch gerettet werden; Hoch⸗ ddieſelben ſind ja Stadtphyſikus allhier und verpflichtet, zu den Fremden in den Hotellern zu kommen.“
Der Medicinalrath unterdrückte einen Fluch, der ihm auf der Zunge ſchwebte; er ſah, daß er dieſem un⸗ angenehmen Gange nicht ausweichen könne, er winkte V den Kapellmeiſter Boloni herbei, übergab ihm die Sängerin, und eilte mit dem kleinen Menſchen nach dem Hotel de Portugal. * 11. Es war ſtill und öde in dieſem großen Gaſthof; MNiitternacht war beinahe ſchon vorüber, die Lampen in den Gängen und Treppen brannten düſter und trübe; es war dem Medicinalrath umheimlich zu Muth, als er zu dem einſamen Kranken hinanſtieg. Der Lakai ſchloß die Thüre auf, der Doktor trat ein, wäre aber beinahe wieder zurückgeſunken. Denn ein Weſen, das ſeit eini⸗ ggen Tagen unabläſſig ſeine Phantaſie im Wachen und im Schlafe beſchäftigt hatte, ſaß hier wirklich und ver⸗


