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„Ei, ei, Sie machen ſich recht rar. Habe Sie ſchon ein paar Tage nicht an meinem Fenſter vorbeigehen ſehen; Sie ſcheinen nicht recht wohl zu ſein?“ ſetzte der Direktor mit einem ſtechenden Blick hinzu.„Sie ſind ſo blaß; fehlt Ihnen etwas?“
„Nein— es iſt nur ſo ein kleines Fröſteln— ich war wirklich einige Tage nicht wohl, aber Gottlob, es geht mir beſſer.“ 3
„So? Sie waren nicht wohl?“ fragte Jener weiter. „Das hätte ich kaum gedacht; ich glaubte Sie doch vor wenigen Tagen auf der Redoute recht munter zu ſehen.“
„Ja freilich; aber gleich den folgenden Tag mußte ich mich legen; ich bekam meine Zufälle wieder, aber ich bin jetzt ganz wieder hergeſtellt.“
„Nun, da werden Sie nicht verſäumen, die nächſte Redoute zu beſuchen; es iſt die letzte und ſoll ſehr brillant werden, ich hoffe Sie dort zu ſehen; bis dahin Adieu! Herr Commerzienrath.“
10.
„Werde nicht manquiren!“ rief der Commerzien⸗ rath Bolnau mit jammervollen Mienen nach.„Der hat Verdacht!“ ſprach er zu ſich.„Der weiß etwas von dem Worte der Sängerin. Zwar ſoll ſie wieder herge⸗ ſtellt ſein: aber kann nicht der Verdacht in dem Herzen dieſes Poliziſten um ſich freſſen? Kann er mich nicht aus Argwohn beobachten laſſen? Die geheime Polizei wird mich verfolgen; auf allen meinen Schritten und Tritten ſehe ich ſchlaue, fremde Geſichter. Ich darf nichts mehr reden, ſo wird es rapportirt, gedeutet; ich


