Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Partitur und that, als ſei außer ihm Niemand im Zim⸗ mer; nach und nach aber wurde er aufmerkſamer, er hörte auf zu ſingen; bald hob ſich zuweilen ſein Auge über die Partitur und ſtreifte glühen über des Doktors Geſicht, dann ließ er das Notenheft ſinken und ſah den Erzähler feſt an; ſein Intereſſe ſchien mehr und mehr zu wachſen, ſeine Augen glänzten, er rückte näher, er faßte den Arm des Medieiners, und als dieſer ſeine Erzählung ſchloß, ſprang er in großer Bewegung auf, und rannte im Zimmrr auf und nieder.Ja, rief er, ves liegt Wahrheit darin, ein Schein von Wahrheit, eine Wahrſcheinlichkeit; es iſt möglich, es könnte etwa ſo gewe⸗ ſen ſein; Teufel! könnte es nicht auch eine Lüge ſein?

Das heißt man, glaube ich, decrescendo in Ihrer werthen Kunſt, Herr Kapellmeiſter; aber warum denn bei dieſer Sache ſo von der Wahrheit bis zur Lüge her⸗ abſteigen? Wenn ich Ihnen nun einen Bürgen für die Wahrheit ſtellte? Maeſtro, wie dann?

Boloni blieb ſiunend vor ihm ſtehen:Ha! wer dieſes könnte, Medicinalrath, in Gold wollte ich Dich faſſen, ſchon dieſer Gedanke verdient, groß und könig⸗ lich belohnt zu werden. Ja! wer mir Bürge wäre! Es iſt alles ſo finſter verworrene Labyrinthe kein Ausgang kein leitendes Geſtirn!

Werthgeſchätzter Freund, unterbrach ihn der Doktor;ich ertappe Sie hier auf einer Reminiscenz aus Schillers Räubern, ſo in der Cotta'ſchen Taſchen⸗ ausgabe ſtehet, wenn ich mich recht erinnere. Demun⸗

geachtet weiß ich einen ſolchen Bürgen, ein ſolches lei⸗

tendes Geſtirn.

V