Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Aber verzeihen Euer Hochedelgeboren, ſagte der verwachſene Menſch,er treibt's nicht mehr lange, woll⸗ ten Sie ihm nicht die letzten Augenblicke

Iſt er ſo gar krank, der Herr? fragte der Medi⸗ cinalrath theilnehmend.Was fehlt ihm? Wer behan⸗ delt ihn? Wer iſt er?

Wer er iſt, weiß ich gerade nicht; ich bin der Lohnlaquai, ich denke, er nennt ſich Lorier und iſt aus Frankreich; vorgeſtern war er noch wohl auf, aber etwas melancholiſch, denn er ging gar nicht aus, hatte auch keine Luſt, die Merkwürdigkeiten dieſer Stadt zu ſehen, aber am andern Morgen fand ich ihn ſchwer krank im Bette; es ſcheint er hat in der Nacht einen Schlagan⸗ fall bekommen. Aber um alle Welt will er keinen Arzt. Er flucht gräßlich, wenn ich frage, ob ich einen zu ihm führen ſolle. Er pflegt und verbindet ſich ſelbſt; ich glaube, er hat auch eine alte Schußwunde aus dem Krieg, die jetzt wieder anfgegangen iſt.

Man hörte in dieſem Augenblicke den Kranken neben an mit heiſerer Stimme rufen und einige Verwünſchun⸗ gen ausſtoßen. Der Lohnlaquai ſchlug drei Kreuze und flog hinüber.

Der Doktor verſuchte noch einmal, ob ſeine Reden bei dem verſtockten Liebhaber keinen Eingang fänden, und wirklich ſchien es diesmal zu gelingen. Er hatte eine Partitur in die Hand genommen, aus welcher er mit leiſer Stimme vor ſich hinſang; der Doktor benützte dieſe ruhigere Stimmung und fing an, ihm das Leben der Sängerin zu erzählen. Anfangs ſchien der Kapell⸗ meiſter nicht darauf zu achten, er las emſig in ſeiner