139 mir eines Morgens Seraphina ein Pariſer Zeitungsblatt, worin der Tod des Chevalier de Planto angezeigt war.“
„Chevalier de Planto?“ unterbrach ſie der Arzt; „hieß ſo jener Mann, der Sie aus dem Hauſe Ihres Stiefvaters führte?“.
„So hieß er. Ich war voll Freude, meine letzte Furcht war verſchwunden, und es ſtand nichts mehr im Wege, meinen Wohlthätern nicht mehr beſchwerlich zu fallen. Schon einige Wochen nachher kam ich nach B. Ich ging vorgeſtern Abend auf die Redoute, und ich will Ihnen nur geſtehen, daß ich recht freudig geſtimmt war. Boloni durfte nicht wiſſen, in welchem Koſtüm ich er⸗ ſcheinen würde, ich wollte ihn necken und dann über⸗ raſchen. Auf einmal, wie ich allein durch den Saal gehe, flüſterte eine Stimme in mein Ohr:„„Schepperl! was macht Dein Onkel?““ Ich war wie niedergedonnert; dieſen Namen hatte ich nicht mehr gehört, ſeit ich den Händen jenes Fürchterlichen entgangen war. Mein Onkel! Ich hatte ja keinen, und nur Einer hatte gelebt, der ſich vor der Welt dafür ausgab, der Cheva⸗ lier de Planto. Ich hatte kaum ſo viel Faſſung, zu er⸗ widern: Du irrſt Dich, Maske! Ich wollte hinweg⸗ eilen, mich unter dem Gewühl der Menge verbergen⸗ aber die Maske ſchob ihren Arm in den meinigen und hielt mich feſt.„„Schepperl!““ ſprach der Unbekannte, „nich rathe Dir, ruhig neben mir herzugehen, ſonſt werde ich den Leuten erzählen, in welcher Geſellſchaft Du Dich früher umhergetrieben.““ Ich war vernichtet, es wurde Nacht in meiner Seele; nur ein Gedanke war in mir lebhaft, die Furcht vor der Schande. Was konnte


