137. 1 Piacenza lernte ich den Kapellmeiſter Boloni, der übri⸗ gens kein Italiener iſt, kennen; er ſchien mich zu lieben, aber er ſagte es mir nicht. Ich nahm bald nachher den Ruf an das hieſige Theater an. Man ſchätzte mich hier, f man hat mir ſonſt wohlgewollt, mein Leben und mein Ruf war unſträflich. Ach! ich habe in dieſer langen Zeit nie einen Mann bei mir geſehen, als— ich kann Ihnen dieſes ſchöne Verhältniß ohne Erröthen geſtehen— als Boloni, der mir bald hieher nachgereist war. Sie ha⸗ ben mein Leben jetzt gehört; ſagen Sie mir, habe ich Etwas gethan, um ſo bittere Strafe zu verdienen? Habe ich ſo Entſetzliches verſchuldet?“
7.
Als die Sängerin geendet hatte, ergriff der Medi⸗ einalrath lebhaft ihre Hand.„Ich wünſche mir Glück,“ ſagte er,„den wenigen Menſchen, die Sie auf Ihrem Lebensweg gefunden haben, beitreten zu können. Meine Kräfte ſind zwar zu ſchwach, um für Sie thun zu kön⸗ 1 nen, was die treffliche kleine Excellenza für Sie that, aber ich will ſuchen, Ihr trauriges Geſchick entwirren zu helfen; ich will den Brauſewind, Ihren Freund, zu verſöhnen ſuchen. Aber ſagen Sie mir nur, was iſt
4.
1 denn Herr Boloni eigentlich für ein Landsmann?“ 8„Da fragen Sie mich zu viel,“ erwiderte ſie aus⸗ 4 weichend;„ich weiß nur, daß er ein Deutſcher von Ge⸗
burt iſt und, wenn ich nicht irre, wegen Familienver⸗ hältniſſen vor mehren Jahren ſein Vaterland verließ. Er hielt ſich in England und Italien auf, und kam vor etwa drei Vierteljahren hieher.“


