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den Diener, der mich heraufgeführt hatte, kommen, und legte ihm das ſtrengſte Stillſchweigen auf; dann
wies ſie mir ein kleines Stübchen an, deſſen Fenſter in
den Hof gingen, gab mir zu arbeiten und zu eſſen, und ſo lebte ich mehre Tage in Freude über meine Rettung, in Angſt über meine Zukunft.“
„Es war das Haus des Geſandten eines kleinen deutſchen Hofes, in welches ich aufgenommen war. Die Excellenza war ſeine Nichte, eine geborne Italienerin, die bei ihm in Paris erzogen worden war. Sie war ein gütiges, liebenswürdiges Geſchöpf, deſſen Wohlthaten ich nie vergeſſen werde. Sie kam alle Tage zu mir und tröſtete mich; ſie ſagte mir, daß der Geſandte durch ſeine Bedienten in dem Hauſe des argen Mannes nach⸗ geforſcht habe. Man ſei ſehr in Beſtürzung, ſuche es aber zu verbergen. Die Diener drüben flüſtern geheim⸗ nißvoll, es habe ſich eine Mamſell aus einem Fenſter des zweiten Stocks in den Kanal der Seine geſtürzt. Sonderbare Fügung! Mein Zimmer war ein Eckzimmer und ſah mit der einen Seite nach der Straße, die andere ging ſchroff hinab in einen Kanal. Ich erinnerte mich, an jenem⸗Morgen ein Fenſter dieſer Seite geöffnet zu haben; wahrſcheinlich war es offen geblieben, und ſo mochte man ſich mein Verſchwinden erklären. Signora Seraphina ſollte um dieſe Zeit nach Italien zurückkeh⸗ ren; ſie war ſo gütig, mich mitzunehmen. Ja, ſie that noch mehr für mich; ſie bewog ihre Eltern in Piacenza, daß ſie mich wie ihr Kind in ihr Haus aufnahmen; ſie ließ mein Talent ausbilden ihr habe ich Freiheit, Leben, Kunſt, oh! vielleicht mehr als ich weiß, zu danken. In
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