Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

gen der eigenen Bruſt; ein ſinnendes Gemüth, welches in Blumen und Menſchenaugen, in Thaten und Wor⸗ ten den hohen Sinn, die zarten Keime, die redliche Abſicht, wie den ſchlimmen Willen, die unreine Nei⸗ gung, den verſteckten Frevel las; welches mit der ge⸗ wohnten Lebendigkeit in Blick und Rede das Edle, Reine, Göttliche zu preiſen, zumal die heiligen Triebe ſeines Innern zu entfalten, aber auch mit ſchnellem treffen⸗ dem Witz das Verkehrte zu tadeln, das Gemeine und Giftige mit ernſter Rüge zu züchtigen verſtand. Sein Witz floß aus einem edlen Herzen, ſein Zorn ſprühte von einer für das Wahre, Schöne und Rechte begeiſter⸗ ten Zunge. Nie hat ſein Spott das Heilige dort oben berührt, nie des Herzens reine Gefühle, nie des Lebens zärtere Verhältniſſe befleckt. Denn Wohlwollen und Güte bezeichnen jeden ſeiner Schritte. Wer unter uns iſt von ihm gegangen und hätte ſich dieſer Güte nicht erfreut? Wer iſt ſeinem Leben näher geſtanden und hat ſich von der Liebe nicht überzeugen müſſen, welche, von einem tugendhaften Vater auf den frühe Verwaiſeten übergegangen, unter der aufopfernden Pflege einer raſtlos ſorgenden Mutter genährt, auf alle Kreiſe ſei⸗ nes Umgangs, auf alle Beziehungen ſeiner Thätigkeit ſich erſtreckte? Uns Allen und ſo Vielen nahe und ferne, denen Freund er geweſen im ſchönſten Sinne des Wor⸗ tes, unvergeßlich wird uns bleiben das treue, brüder⸗ liche Herz, das mit offener Liebe den Genoſſen einſt er⸗ klärte, ſein innerſtes Geſetz, ſein ganzes Weſen fordere, daß er ſich anſchließe, wo er Frohſinn, Heiterkeit und Herzlichkeit finde; das die Tage der Jugend, und vor⸗