Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſich im Februar 1827 mit einer Couſine ſeines Namens, dem Gegenſtande längſt gehegter Jugendneigung. Seine Freunde erzählen heitere Geſchichten von dem Beſtreben des jungen Mannes, dieſe Liebe, die den Verhältniſſen nach den allergeradeſten Gang hätte nehmen müſſen, ins Gebiet des Phantaſtiſchen und ſelbſt der Intrigue hinüberzuziehen, ſo ſehr war ihm Romanenverwickelung auch im täglichen Leben Bedürfniß, und er ſuchte das Bäschen, zu deſſen Herzen und Hand ihm der Weg offen ſtand, heimlich wie ein Spartaner zu erobern. Dieſer Bund ſchien übrigens ſein Lebensglück dauerhaft zu begründen, und noch in demſelben Jahre beſchenkte ihn ſeine Frau mit einer Tochter. Aber die Freude fand ihn ſchon durch Unpäßlichkeit gedrückt. Trotz dieſer that er noch am Kranken⸗ und Sterbebette eines durch einen Sturz verunglückten theuern Freundes angeſtrengte Dienſte. Endlich beſchlich ein tückiſches Nervenfieber den Widerſtrebenden, der gewaltſam zur gewohnten und ihm ſo lieben Arbeit zurückkehren wollte. Wenige Stunden, erzählt uns ſein Bruder, bevor das Fieber ſeine Sinne in wilden Taumel riß, belebte die Freude zum letzten⸗ mal ſeine Züge bei der Kunde von der Seeſchlacht bei Navarin; das Ereigniß, das ſo viele Dichter zu politiſch⸗ poetiſchen Erzeugniſſen begeiſterte, konnte er nicht mehr

beſingen, er konnte ſich nur darüber freuen; er nahm

die Freude hinüber in des Fiebers Wahnſinn, und es war rührend zu hören, wie er, ſich für den Schlachtenboten nach Jenſeits haltend, mehr als einmal rief:Laßt mich, ich muß hin, ich muß es Müller ſagen! denn kaum vor zwei Mongten hatte er in Stuttgart den Sänger