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angebahnte, und ſeitdem viel bewandelte Straße des hiſtoriſchen Romans.
Sein„Lichtenſtein, romantiſche Sage aus der würtembergiſchen Geſchichte“ ward in unglaublich kur⸗ zer Zeit entworfen und ausgeführt. Er fand die gün⸗ ſtigſte Aufnahme in ganz Deutſchland, und verdiente ſie auch. Daß der anmuthige Stoff keine Sage, ſondern reine Erfindung des Verfaſſers iſt, die ſich wie Epheu hinaufrankt an dem alten Felſenſchlößchen Lichtenſtein, das kann in den Augen des poetiſchen Leſers kein Vor⸗ wurf ſein; die geſchickte Benützung der Zeitbegeben⸗ heiten, und das großentheils wohlgetroffene Coſtüme, das uns Schwaben beſonders anheimeln muß, bringen die aus den Scottiſchen Romanen ſo beliebte Täuſchung hervor, die macht, daß man nicht mehr weiß, was Hiſtorie und was Dichtung an der Erzählung iſt. Ueber⸗ haupt aber hat dieſer Roman bei allen Mängeln der Anlage und Charakterzeichnung und manchen Verſtößen
gegen die Zeit, die er darſtellen will, doch ſo große
Schönheiten im Einzelnen, es iſt der Keim zu ſo vielem Guten darin, daß dieſes Werk zu den ſchönſten Hoff⸗ nungen berechtigte, und wir in einem zweiten Romane dieſer Art gewiß ſchon etwas Vollkommenes erhalten haben würden, zumal, da er in dieſer zweiten Arbeit (über deren Entwurf er geſtorben iſt), wo er den Schau⸗ platz ſeiner Mähre in Tirol und deſſen neueſter Hel⸗ dengeſchichte aufſchlagen wollte, ſich immer mehr von dem verführeriſchen Jargon der höheren geſelligen Welt zu entfernen, und bei Volkscharakteren und kräftigen Naturen in die Lehre zu gehen entſchloſſen war. W. Hauff's Werke. J.


